Ötztaler Radmarathon

Wille, Rennsprit und Kopfkino

Ötztaler Radmarathon… da gehört ein eiserner Wille, konsequente Vorbereitung und die richtige Renntaktik dazu. Okay, „eiserner Wille“ wurde mir anscheinend in die Wiege gelegt. Und obwohl viele meiner Freunde gesagt haben: „Ach, das ist für dich doch ein Kinderspiel“, darf ich hiermit bestätigen: Aua! Man glaubt es kaum, aber auch mir tut das richtig weh.


Vorbereitung? Ob 5000 km bis dahin viel sind… na ja, das wage ich zu bezweifeln. Die richtige Renntaktik waren für mich eigentlich zwei Dinge:



1. Pacing – Körpergefühl statt Wattmesser 🫀

Ohne Wattmesser, ohne Pulsgurt. Nach Jahren auf der Langdistanz kennst du deinen Körper einfach. Whoop hat’s danach bestätigt: 50 % in Zone 3, also anstrengend, aber nicht überzogen. 50 % darunter. Passt perfekt für 100 km bergauf und 130 km flach/bergab.


Tat es weh? Ja. Hab ich ans Aufgeben gedacht? Oft genug.


👉 „Pain is temporary – quitting lasts forever.“ – Lance Armstrong


 

2. Verpflegung – mein Gamechanger 🍌🥤 

Das ist der Punkt, der für mich alles verändert hat. Jahrelang hatte ich Magenkrämpfe, bin leer gefahren, hab alles Mögliche probiert. Jeder, der das kennt, weiß: Das killt dir jedes Rennen. 

 

Dann hab ich irgendwann Robert kennengelernt – und er hat so komische Salzriegel gebaut. Klingt unscheinbar, aber das war der Start von etwas, das für mich den Unterschied macht. 

 

Seitdem brauche ich über Ernährung nicht mehr nachdenken. Keine Experimente mehr, keine Angst vorm „Leerfahren“, keine Panik wegen Magenkrämpfen. Problem gelöst. Danke Robert – fürs Erfinden meiner Lösung 🙏. 

 

Heute fahr ich den Ötztaler nur noch mit flüssigen Kohlenhydraten – besser bekannt als RENNSPRIT von Ausdauervutter. 

 

Mein Plan war einfach: 10 Stunden Fahrzeit = 10 Flaschen Rennsprit à 100 g Kohlenhydrate + ca. 20 g Vlugbenzin (Gel). Bedeutet: ein Schluck pro Stunde – und der Magen bleibt ruhig. 

Transportiert hab ich das so: 

Damit war ich für den ganzen Tag versorgt. Kein Stress, kein Nachdenken – einfach trinken, treten, auffüllen.

👉 „Am Ende gewinnt nicht der Schnellste, sondern der, der seine Energie am besten einteilt.“

Kühtai – der erste Test ⛰️

Ca. 2 Stunden Fahrzeit = 2 Flaschen Rennsprit + 1 Portion Vlugbenzin. Kühtai ist eigentlich gefürchtet, weil er unrhythmisch ist. Für mich lief er aber top – noch viel Adrenalin, noch volle Kraft.


Oben bei der Labe sofort meine Portionen aus dem Trikot in die Flaschen gefüllt. Routine von Anfang an.


Die Abfahrt danach… puh. Ich glaube, meine Hose war innen leicht braun 😅. Und als ich im Tunnel noch einen schweren Unfall gesehen habe, war’s mit meinem Mut endgültig vorbei.

Brenner – Chupa Chups & Depotbeutel 🍭

Am Brenner heißt’s eigentlich: „Such dir eine Gruppe und versteck dich.“ Ja eh. Nur wollte dort keiner vorne fahren. Stattdessen haben sie sogar ein junges Mädel in den Wind geschickt. Das war mir zu blöd.

Also hab ich mich vorne reingehauen, mein Tempo gefahren und nicht mehr drüber nachgedacht. Die ganzen Chupa Chups hinter mir haben sich schön ziehen lassen – aber egal. Ich hab eine Entscheidung getroffen, und die hat sich richtig angefühlt.

Oben war ich völlig am Ende. Dachte mir: „Das war’s, ich bin tot.“ Aber genau da war mein Depotbeutel: 4 Portionen Rennsprit + 1 Flasche Vlugbenzin. Zwei Portionen direkt in die Flaschen, zwei ins Trikot – und weiter ging’s.

👉 „Es ist nicht der Berg, den wir bezwingen – es ist unser eigener Wille.“ – Edmund Hillary

Jaufenpass – Anschlag 🚴‍♂️ 

Die Abfahrt tat gut, aber Jaufen war schon richtig Anschlag. Jeder Tritt schwerer, aber ich hab dauernd überholt – also konnte es nicht so langsam sein. Ernährung lief inzwischen voll automatisch. 
 
Oben bei der Labe wieder die Flaschen mit meinen Portionen aufgefüllt. Routine. Ohne das wär ich hier sicher ausgestiegen. 
 
Gedanken oben: „Ich warte hier auf meine Frau und fahr mit ihr fertig 😅.“ Am Ende hab ich doch weitergemacht. 
 

Timmelsjoch – der Endgegner 😵 

20 km Abfahrt = Erholung. Dann die letzten 28 km mit 1800 hm. Kopfkino pur: „Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr.“ (Sebastian-Kurz-Meme im Kopf). 
 
Aber: Der Körper hat null Schwäche gezeigt. Es war nur der Kopf. Also einfach weitergefahren. 
 
Und auch hier wieder: Verpflegung. Bei den zwei letzten Laben am Timmelsjoch habe ich die letzten drei Beutel aus der Satteltasche verbraucht – zwei bei der ersten Labe, einen bei der letzten. Flaschen aufgefüllt, konzentriert geblieben, Schluck für Schluck. Genau das hat mich am Leben gehalten. 
 

👉 „Der Schmerz vergeht. Der Stolz bleibt.“

Das Ziel 🏁

227 km, 5500 hm, eine halbe Flasche Rennsprit übrig – und ein Lächeln im Gesicht. Stolz. Und das sichere Gefühl: Ich kann mich auf meinen Körper verlassen, weil ich mich auf Ausdauervutter verlassen kann. 💪🚴


Danke Robert – ohne deine Lösung würde ich wahrscheinlich immer noch an Magenkrämpfen scheitern. So aber war’s „nur“ ein Kampf mit meinem Kopf. Und genau das ist es, was den Ötztaler so besonders macht.


Fazit ✨

Der Ötztaler ist kein Kindergeburtstag. Er tut weh – bei jedem. Aber mit dem richtigen Pacing, einem klaren Kopf und vor allem der richtigen Ernährung kann man Dinge schaffen, die man unterwegs schon dreimal abgeschrieben hat.


Für mich heißt das: Rennsprit rein, Kopf aus, Beine drehen. Und am Ende bleibt das, wofür wir das alles machen – Stolz, Freude und dieses unbeschreibliche Gefühl im Ziel.